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Traveldiary Südkorea: Zwischen Kulturschock und Begeisterung

14. Oktober 2017

Über 10 Stunden und mehr als 8.500 km liegen zwischen Österreich und Südkorea. Kaum aus dem Flugzeug draußen befindet man sich in einer anderen Welt, obwohl es doch der gleiche Planet ist. Ich möchte euch erzählen, welche Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke ich von Südkorea bekommen habe und wie schwierig es für mich festzustellen war, dass ich vielleicht doch nicht so weltoffen bin, wie ich immer dachte. 

Aber beginnen wir am Anfang. Vor inzwischen einigen Monaten, Anfang Mai, ging es für mich für zwei Wochen nach Südkorea. Graz-Frankfurt-Incheon Seoul. Eine lange Route, denn es ging ja nicht nur gefühlt um die halbe Welt. Unsere Reiseroute in Südkorea begann in Seoul, führte über Masan und Busan (beides ganz im Süden der koreanischen Halbinsel gelegen) nach Daejeon, von wo aus es wieder zurück nach Seoul ging.

Unterkünfte und Hotels

Viele von euch haben mich gefragt, wo und wie wir denn gewohnt haben. Wir hatten das große Glück in Seoul bei Freunden zu wohnen. Der größte Pluspunkt daran war, aber das könnt ihr euch bestimmt denken, jemanden zu haben, der die Sprache spricht, sich in der Millionenstadt auskennt und einem die Kultur erklären kann. Gerade das habe ich sehr zu schätzen gelernt. Als Europäer ist es nicht einfach sich an diese Lebensweise zu gewöhnen, jedenfalls ging es mir so. Aber dazu später mehr. In Masan verbrachten wir nur wenige Tage in einem Gästehaus mit dem vielleicht schönsten Ausblick, den ich je hatte. Empfehlen möchte ich es euch aber nicht, denn es war sehr abgelegen und ohne Auto nicht erreichbar. In Busan wohnten wir in Privatwohnungen, die unfassbar schön direkt am Strand gelegen haben und eine wahnsinnig schöne Sicht hatten. Die letzte Station, Daejeon ist eine etwas kleinere Stadt (die Einwohnerzahl liegt ein wenig unter Wien) auf ungefähr halbem Weg zwischen Seoul und dem Süden Koreas. Dort verbrachten wir die Nacht in einem wunderschönen Design-Hotel.

 

Öffentlicher Verkehr in Südkorea

Wie schon gesagt hatten wir in Seoul das Glück, dass meistens jemand dabei war, der sich auskennt. In den U-Bahnen ist natürlich alles auch in lateinischen Buchstaben beschriftet und viel ins Englische übersetzt. Verloren geht man also nicht. Zwischen den Städten waren wir mit dem KTX (Korea Train Express), dem koreanischen Hochgeschwindigkeitszug unterwegs. Eine super bequeme, schnelle und unkomplizierte Art auch mit Gepäck zu verreisen. In Masan und Busan waren wir mit dem Auto unterwegs. Dort lag der Schwerpunkt aber auch eher auf dem Umland und weniger auf den Städten direkt. Wirklich einfach war auch der öffentliche Verkehr in Daejeon. Eine einzige U-Bahn-Linie führt durch die Stadt. Verirren ist also fast ausgeschlossen. Dazu kommt, dass die Koreaner die uns begegnet sind, ausgesprochen freundlich und hilfsbereit waren. (Einen Fahrkartenautomaten auf Englisch umzustellen ist nämlich nicht so einfach).

Prinzipiell muss ich sagen, dass die Fortbewegung in Seoul ohne U-Bahn sehr anstrengend ist. Die Busse sind eher klein und alt. Allerdings gibt es viele davon und man kommt immer dorthin, wohin man möchte. Das U-Bahn-Netzwerk ist großartig. Allgemein ist alles sehr sauber und gefürchtet habe ich mich kein einziges Mal – auch nicht nachts.

Das Essen

Eines sei vorweggesagt: Ich habe mich nach zwei Wochen sehr auf das europäische Essen gefreut. Meinen Eltern hat es aber großartig geschmeckt. Nun gut, ich mag grundsätzlich keine Meeresfrüchte (gerade im Süden stieß ich damit auf großes Unverständnis) und für mich muss es auch nicht scharf sein. Nun ja, wer von euch asiatisches Essen kennt, und damit meine ich nicht das aus dem Packerl, weiß vielleicht, was ich meine.

Keine Sorge, falls es euch ähnlich geht wie mir. Südkorea ist so vielfältig – irgendetwas findet ihr immer. So gab es für mich eben manchmal Reis mit Gemüse, was aber immer super lecker war. Außerdem gibt es ein japanisches Restaurant, Saboten, das für mich bald ein Lichtblick war. Typisch koreanisches Essen ist nämlich ohne Käse, kaum gebacken oder frittiert (jedenfalls wie ich es erlebt habe). Im Gegensatz dazu steht japanisch.

Grundsätzlich wird in Korea beim Essen am Boden gesessen. Kein Problem für junge Leute und der Boden ist eigentlich immer mit einer Fußbodenheizung versehen. Auf Dauer und allgemein für etwas ältere Menschen ist das schon richtig anstrengend. Allerdings dauerte ein Essen in Korea nie wirklich lange. Eher Mittel zum Zweck als Genuss.

Die Kultur

Das wohl schwierigste Kapitel. Ich weiß nämlich, dass ich Korea ganz anders erlebt habe, als es Leute tun, die kaum mit Einheimischen zu tun haben oder ein Auslandssemester machen. Deswegen kann ich euch wirklich nur meinen Eindruck und mein Gefühl schildern.

Ich wusste schon von Freunden aus Korea, dass ich auffallen würde. Ich habe helle Haut, eine besondere Gesichtsform und helle Haare. Das alleine reicht, um in Korea aufzufallen. Einige Male konnte ich ein paar Worte mit jungen Leuten wechseln und wirklich ausnahmslos jeder war von der Tatsache eingeschüchtert, dass ich Europäerin bin. In Seoul war es nicht übertrieben auffällig. Dort sind die Leute an Fremde gewöhnt, leben doch alleine in der Region Seoul über 25 Millionen Menschen. Man sollte meinen, dort fällt man nicht auf. Aber ich wurde auch dort fotografiert und mit bewunderten Blicken überhäuft.

Schwieriger war es für mich im Süden, in kleinen Orten auf Märkten. Was dort nämlich noch dazukam war, dass kaum jemand Englisch sprach. So wusste ich also nie, ob mich jemand ansprach oder nicht, was wirklich verwirrend war. Ein bestimmtes Erlebnis werde ich so schnell nicht vergessen, als eine Verkäuferin auf einem Fischmarkt in Pusan dem europäischen Mädchen ihre tollen Oktopusse zeigen wollte… Nun ja.

Und sonst?

Korea ist anders. Darauf war ich eingestellt. Aber so anders? Damit hatte ich nicht gerechnet. Respekt vor Älteren wird sehr groß geschrieben. Besonders aufgefallen ist mir das bei diversen Abendessen. Denn theoretisch gilt: Legt der Älteste am Tisch seine Stäbchen zur Seite, wird abserviert. Selbstbestimmung? Fehlanzeige! Ist man Gast, wird für einen entschieden, was einem am besten schmecken wird. Der gut gemeinte Hummer war für mich also eher ein Grund zum Weinen.

Was ich euch wirklich raten würde, falls ihr eine Reise nach Korea plant: Beschäftigt euch mit der Vergangenheit. Viele Dinge konnte ich erst dadurch verstehen. Im Koreakrieg (1950-1953) wurde beispielsweise Seoul fast vollständig zerstört. Die Tempelanlagen, die mir besonders gut gefallen haben, waren komplett zerbombt. Ich war immer der Meinung, dass wir Europäer auch den 2. Weltkrieg erfahren haben. Bei meiner Generation hat dieser zumindest keine großen Ängste oder einen Hass gegenüber einem anderen Land hervorgebracht.

In Südkorea ist das anders. Dadurch, dass Seoul durch seine Zerstörung komplett neu aufgebaut werden musste, hat sich viel verändert. Die Stadt wurde durchgeplant und aus dem Boden gestampft. Modern und neu. Tempelanlagen wurden originalgetreu wieder aufgebaut, aber eben nicht original. Das entschied die damalige Regierung. Und da liegt vielleicht auch der Unterschied zu Europa. Nach dem Krieg bauten die Menschen ihre Häuser selbst wieder auf. Alte Stadtkerne wurden erhalten und die Leute konnten mit jedem Stein, den sie schlichteten, das Erlebte immer mehr verarbeiten. Diese Chance hatte in Korea fast niemand. So sitzen die Erlebnisse von damals noch sehr tief. Auch diverse Konflikte mit den Japanern sind bis heute nicht aufgearbeitet oder innerlich abgeschlossen. All das spielt in die heutige Gesellschaft hinein.

Leute in meinem Alter wirkten auf mich ein wenig unsicher. Dazu muss ich sagen, dass im koreanischen Fernsehen viele Serien etc. laufen, die den amerikanischen Lifestyle zeigen. Und dem wird nachgeeifert. Korea möchte gleichzeitig modern, amerikanisch und europäisch sein. Welche Spannungen sich daraus ergeben, muss ich euch bestimmt nicht erklären. Aber vielleicht habe auch nur ich das so erlebt.

 

Meine Highlights

Seoul. Das war ein Highlight für sich. Großstädte kannte ich bis dahin kaum. Wie auch als Europäer? Allein die Vorstellung von 52 Millionen Menschen hat mich begeistert. Gegensätze, soweit das Auge reicht. Hinter den Toren der Tempel ist es leise. Teiche, Bäche und große Wiesen sind angelegt. Und schaut man über die Mauern, sieht man Wolkenkratzer und die moderne Seite. Der Buddhismus ist in Korea die zweitgrößte Religion. Die Menschen gehen in ihren Mittagspausen in einen Tempel, um zu beten und zu meditieren. Einige Male haben auch wir uns in einen Tempel gesetzt, um ein wenig herunterzukommen. Die Stille und die Widersprüche haben mir unglaublich gut gefallen.

Neben den buddhistischen Tempeln kann ich euch auch den Kaiserpalast (Gyeongbokgung-Palast) sehr empfehlen.

 

Außerdem:

  • Dongdaumun Design Plaza
  • Hanok- Dorf Bukchon (Häuser im ursprünglich koreanischen Stil)
  • Cheonggyecheon (ein künstlich angelegter Bach mitten in Seoul)
  • Namdaemun Market (allgemein sind alle Märkte in Seoul sehenswert)
  • Lotte World Tower (555 Meter hoch & zur Eröffnung das fünfthöchste Gebäude der Welt)

Trotz aller Unterschiede und persönlichen Schwierigkeiten mich anzupassen, muss ich euch sagen, dass ich mich wirklich in das Land verliebt habe. Gerade Seoul hat mich voll abgeholt. Die Menschen, die ich kennenlernen durfte waren unfassbar lieb und verständnisvoll. Unsere Kulturen unterscheiden sich einfach sehr. Was für mich mein Leben lang normal war, ist es für Koreaner nicht. Umgekehrt gilt das genauso. Alleine das gelernt zu haben rührte mich am Flughafen zu Tränen. Und die Vorstellung, dass den Menschen in diesem Land gerade jetzt etwas Schreckliches passieren könnte, macht mich traurig. Korea hat einen festen Platz in meinem Herzen bekommen und ich würde lieber heute als morgen wieder hinfliegen und die Kultur erleben. Ich glaube, ich habe mich selten so frei, glücklich und offen gefühlt wie in der Zeit in Korea, speziell in Seoul. ♡

Falls ihr noch Fragen zu meiner Reise oder allgemein Korea habt, schreibt sie mir gerne als Kommentar. 🙂 Alles kann man nämlich gar nicht in einem Post erzählen.

 

 

 

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4 Comments

  • Reply Yvonne 15. Oktober 2017 at 13:57

    Vielen Dank, dass du deine Eindrücke so ehrlich mit uns teilst! Großartig! <3

    • Reply Kathrin Siebert 15. Oktober 2017 at 14:22

      Danke du Liebe! Ich freu mich, wenn dir der Beitrag gefällt! ♡

  • Reply Marlene 15. Oktober 2017 at 14:57

    Super Beitrag!
    <3 aus Cheongju

    • Reply Kathrin Siebert 15. Oktober 2017 at 15:02

      Danke! 🙂 Vieeeele ♡ nach Korea!

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